Mama + Zombie = Mombie

(Nur noch eine dieser semi-kreativen Internet-Wortneuschöpfungen.)

Wenn mir noch EIN. EINZIGES. MAL. jemand sagt „Du musst schlafen, wenn das Baby schläft!“, lege ich mich ins Bett, kippe mir Zement in die Ohren und überlasse das Baby dieser Person. Ohne Milch. Ohne Windeln.

Dass man als Neumama an mehr oder weniger intensivem Schlafmangel leidet, ist ja bekannt. Dass die Verwandlung zum Mombie schleichend vonstatten geht und genau dann volle Möhre zuschlägt, wenn man sich gerade entspannt zurückgelehnt hat und für unsterblich hält, habe ich neulich schon auf Instagram angedeutet:

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Ich vor zwei Tagen zur Hebamme: „Was beschweren sich eigentlich alle #neumamas wegen Schlafmangel?! Alle 3h kurz stillen & wickeln, dann weiterschlafen – ist doch total entspannt.“ Baby (hat das gehört): „Haha. Hahahahaha.“ *macht im Schlaf Dermagorgon-Geräusche #strangerthingsaddict 🙈 *verschluckt sich nachts so doll, dass wir panisch den Notarzt rufen, *kriegt ne Schnoddernase (quasi gleichbedeutend mit „OMG MEIN BABY KRIEGT KEINE LUFT!“). Und zur Krönung hat sie die ersten echten Tränchen verdrückt. Mein Herz wird ab jetzt jeden Tag zerbrechen. 💔 (Im Ernst: Habt ihr schon mal ein Baby weinen sehen? 😭) ______________________________________________ #inyourface #müde #novemberbaby2017 #dreiwochen #momlife #hamburgmama #instamamagang #lebenmitkindern #newborn #family #liebe #dickbauchdienstag #momlife #mamablogger

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Augenringe in drei Akten: Vom Walross zum Mombie

Tatsächlich hielt ich mich in den ersten sechs Wochen mit Baby für unmüdbar. Alle zwei, drei Stunden nachts aus dem gerade erst erreichten Tiefschlaf gerissen werden? Gerne durch ziemlich schrilles Schreien? Come on! Mittlerweile bin ich schlauer: Das Ganze ist ein richtig, richtig fieser, schleichender Prozess:

Die letzten Tage des Walross’

Eltern wissen: Schon die Nächte vor der Geburt gehen nur noch selten unterbrechungsfrei vonstatten.

Für Kinderlose: Schnallt euch ein fünf Kilo schweres Kissen vor den Bauch, legt euch ins Bett und dreht euch dann von links nach rechts. Gar nicht so einfach, ne… (Nein, ich hab keinen Plan, wo man so schwere Kissen herbekommt! :D)

Als wäre das nicht genug, sitzt parallel auch noch jemand auf eurer Blase und sorgt dafür, dass ihr gefühlt mehr auf Klo müsst als ihr trinken könnt. Von spezielleren Problemchen wie Dauerhunger, Hitzewallungen, Gedankenkarussell, usw. mal ganz zu schweigen.

Lirum larum: Erholsame Nächte sind auch schon Wochen vor dem Baby Mangelware!

Entspannung im Krankenhaus? Haha. Hahahahaha.

Kurz hatte ich über eine ambulante Entbindung nachgedacht. Kind rausquetschen, kurz chillen, dann ab nach Hause. Schließlich ist es im eigenen Bett viel schöner und Netflix soll ja gut für die Genesung sein. Warum ich mich dann doch für die stationäre Variante entschied? Ich dachte, umgeben von ÄrztInnen, Hebammen und Co. könnte ich den Schlaf besser nachholen, der mir durch die Geburt fehlen würde. Pustekuchen! Abgesehen davon, dass beim Anblick eines so kleinen Würmchens an alles außer Schlaf zu denken ist, waren die Nächte sehr störungsreich:

  • Haken Nr. 1: Meine Zimmernachbarin. Sie war wirklich nett, aber nachts schnarchte sie lauter als ihr Kind schrie. Also schnappte ich mir mein eigenes Baby und tapste stundenlang über die Flure.
  • Haken Nr. 2: Stillen. Ja, okay, das war vorherzusehen und hat auch nichts mit dem Krankenhaus an sich zu tun. Das Baby braucht schließlich Futter. Allerdings überschlief das Baby seinen Hunger und so wurde ich alle zwei Stunden daran erinnert, es jetzt zu wecken und anzulegen.
  • Haken Nr. 3: Das Personal. Das Schnarchen ist versiegt, das Baby satt und eingeschlafen, ennndlich … STOPP. Auftritt Hebamme und/oder Krankenschwester. “Sie haben jetzt noch zwei Stunden, um auf Klo zu gehen, sonst müssen wir einen Einlauf machen.” (Null unter Druck gesetzt gefühlt…) – “Das Baby muss jetzt gewogen werden, bitte kommen Sie um halb zwei ins Schwesternzimmer.” (Waaaaarum nachts!??!?!) – “Ich will sehen, wie Sie stillen. Bitte wecken Sie jetzt das Baby.”

Volle Hormonschleuder im Wochenbett

Ab nach Hause. Ich war mir sicher, dass JETZT der Schlafmangel so richtig zuschlägt. Von wegen! So sehr ich in den ersten ein, zwei Wochen unter den Schmerzen und emotionalen Aussetzern litt, so oft ich aus dem gerade erst erreichten Tiefschlaf gerissen und am Ausschlafen gehindert wurde – die Müdigkeit hielt sich in Grenzen. Jeder normale Mensch würde spätestens nach drei solchen Nächten bescheuert werden!

Also fing ich an, mich in Sicherheit zu wiegen – und hielt mich für unmüdbar.

Ganz. Ganz. Großer. Fehler.

Auf den Tag sechs Wochen nach der Geburt platzte die schöne Seifenblase – und ich wurde zum Mombie: Nie richtig müde, nie richtig wach. Schläft das Kind, schwankt man zwischen mitschlafen und aufstehen, um kurz Zeit für sich zu haben. Bis diese Entscheidung gefällt ist, guckt einen das Baby natürlich längst wieder mit großen Augen an. Dann lieber RICHTIG fertig, damit das mit dem Mittagsschlaf klappt. Oder man angesichts der bodentiefen Augenringe zumindest mal eine Tüte Mitleid kriegt. Aber so? “Och, sooo schlimm siehst du ja gar nicht aus.” Ääääh, danke?! Ich weiß nicht mal, ob das jetzt ein Kompliment ist…

Übrigens: Just während ich diesen Post schrieb (als Mama macht man sowas ja nicht mehr in einem Wisch, sondern verstreut über Tage bis Wochen), schlief das Baby plötzlich zwei Nächte hintereinander je 2x fünf Stunden am Stück. Ihr dürft raten, wer alle zwei Stunden wach im Bett saß und sich Sorgen machte, ob’s dem Kind wohl gut geht. -.-

Und so stapfe ich, wie (fast?!) alle anderen Muddis leicht tollpatschig durch den Tag, hab nicht immer die hellsten Antworten auf Lager und andauernd Hunger. Wie ein Zombie eben.

 

Sätze, die ihr zu Schwangeren & Mamas nie mehr sagen dürft

Da Mombies nicht immer das beste Nervenkostüm haben, hier ein paar kleine Tipps: Diese Sachen solltet ihr nie wieder sagen. Das nervt. TIERISCH.

“Du musst vor der Geburt vorschlafen.”

Wenn du gefühlt eine halbe Stunde brauchst, um dich von links nach rechts zu drehen, dabei halb von deinem eigenen Bauch zerquetscht wirst und dieser eh ständig autonom in Bewegung ist – DANN WIRD DAS NICHTS MIT VORSCHLAFEN! Um genau zu sein, fängt in diesen letzten Wochen der Schwangerschaft der Schlafmangel schon an…

“Du musst schlafen, wenn das Baby schläft.”

Und du musst deinen Mund halten.

Nachts mag das zum Teil funktionieren. Außer, dass man schon viel früher als das Baby aufwacht, weil es anfängt sich zu bewegen. Und zwischendurch auch noch mal, weil es komische Geräusche macht. Oder weil man DENKT, dass es komische Geräusche macht. Tagsüber klappt das bestenfalls, wenn noch jemand zu Hause ist. Denn so schnell, wie die Schlafphasen des Babys wieder um sind, kann keine Sau einschlafen. Geschweige denn erholsam. Und so ein paar Minuten für sich sind ja auch mal ganz nett.

“Bist du müde?”

Nein, Augenringe sind die neuen buschigen Augenbrauen! #trendsetter

“Schläft das Baby schon durch?”

Immer schön Salz in die Wunde reiben, immer schön rein damit!

Also: Wenn ihr das nächste Mal einem Mombie über den Weg lauft, habt keine Angst, nehmt nicht alles so persönlich – und besorgt schleunigst eine Riesenkanne Kaffee!

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Kommentare

  1. Ich hätte es nicht besser zusammenfassen können! Gleiches Spiel hier mit dem fast 7 Wochen alten/jungen Babymädchen.

  2. Hachja, das ist ein sehr genialer und gut geschriebener Beitrag zu einem Thema, das mich derzeit auch beschäftigt. Meine Kleine ist jetzt 11 Tage alt und mir geht es mit dem Schlaf (noch) so, dass ich mich auch frage, was denn alle haben? Läuft doch total gut! Aber jetzt wo ich das gelesen hab, hab ich Angst…

    Übrigens liege ich gerade, wo ich das hier schreibe, neben meiner schlafenden Tochter im Bett und wollte doch eigentlich auch schlafen. Ich seh es schon kommen, dass ich gleich die Augen zu und sie dann Augen und Mund auf macht, ojé…

    Danke auf jeden Fall für deine amüsanten Zeilen!

    Liebe Grüße
    Anna

  3. Es gibt eine Frage, die man selbst nie anderen Eltern stellen darf: “Wann wird das besser?”
    Die Antwort ist auch bei Eltern von älteren Kindern nicht zufriedenstellend… Also, einfach durchhalten und darauf vertrauen, dass schon keiner die noch steckenden Schlüssel klaut… Und sauberes Geschirr im Kühlschrank kann ja nicht schlecht werden… und ein gefülltes Colaglas im Geschirrschrank steht zumindest vor den Kindern sicher… Schlaf wird einfach überschätzt! Und inzwischen bin ich der Überzeugung, dass der Schlafmangel biologisch beabsichtigt ist, weil man dann alles einfach entspannter an sich vorüber gehen lassen kann , im ständigen Halbschlaf merkt man nicht so viel .
    (Mama von Junge gerade 4 Jahre alt und Mädchen bald 3)
    Alles nur eine Phase

  4. Oh ja, das kommt mir auch bekannt vor! Baby versorgen und selber satt werden war schon genug Tagesprogramm. An den besseren Tagen habe ich es sogar geschafft, zu duschen. 🙂 Ich schließe mich meiner Vor-Kommentatorin an… alles eine Phase. Und zum Glück hat ja jede Phase auch ihre vielen vielen schönen Seiten…!

  5. Pfande dein Beitrach ech guht, bin aba grade zihmlich mühte – schonn seid 6 jaren – mir fehlt dess Wegen ga nix intellentiges zum komentirenn ein. Also alles guhte mit deim bebi und gute N8! Es wirt bästimt bessa wen dein Bebi elter is.
    Dan schlefstu wida bessa unt die Inteligentz kommt auch wieda. Wahr bei mir auch soo!
    Fiele Grüse,
    An….
    *schnarch*

  6. Ich würde da gerne noch einen Satz hinzufügen: Dank der Hormone steckt man das ja besser weg.
    Nein, sicher nicht! Und nach 11 Monaten ist das Müdigkeitslevel recht hoch 😉
    Liebe Grüße,
    Marina

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