Vor vier Monaten hätte ich diesen Beitrag wahrscheinlich nicht geschrieben. Wer gibt schon gerne zu, dass er einsam ist? Heißt das nicht irgendwie, dass ich keine Freunde habe? Dass ich komisch bin?

Nope. Zum einen gibt es (nicht wenige) Menschen, die keine oder nur eine sehr ausgewählte Anzahl Freunde brauchen. Die nicht einsam sind, sondern einfach lieber allein. Und zum anderen hat jemand, der einsam ist, nicht automatisch keine Freunde. Klingt kompliziert? Willkommen im Mama-Kosmos!

Einsam, nicht allein

Meine ersten Wochen mit dem Baby waren, wie ihr wisst, nicht die allllerbesten. Ein Grund dafür: Ich fühlte mich oft so richtig, richtig einsam.

Ich war einsam, nicht allein. Nicht eine Sekunde war ich allein, denn das Baby war ja frisch eingezogen. Aber davon abgesehen: Der Freund musste nach zwei Wochen wieder arbeiten gehen und hier in Hamburg habe ich keine Freunde mit Kindern, d.h. die müssen auch alle arbeiten. Ich war also plötzlich rund um die Uhr zu Hause, alles war neu und niemand da. Die Welt der anderen dreht sich ja ganz normal weiter, nur die eigene wird einmal ordentlich durchgerüttelt. Klar, für den Papa ist auch alles neu, aber da die Elternzeit ja nach wie vor meistens von den Frauen genommen wird, kehrt dieser zumindest tagsüber schnell wieder in sein gewohntes (Arbeits-)Leben zurück.

Allgemein finde ich, dass es nach Schule/Studium immer schwieriger wird, in einer neuen Stadt Anschluss zu finden. Höhere Ansprüche an eine Freundschaft, weniger Begegnungen, alle sind schon vergeben, … Am Anfang hier in Hamburg hab ich sogar mal versucht, einem Volleyballverein beizutreten. Na ja. Es blieb beim Versuch. Wenn DAS Anfänger waren, dann bin ich in Sport echt eine Hardcore-Niete!

So war ich also tagsüber mit dem Baby alleine. Es gab Tage, da habe ich zweimal meine Mama und dann noch Papa (im worst case auch noch meine Oma) angerufen, nur um kurz mit jemandem zu reden. Und nicht selten rief Mama dann später nochmal an, weil Mamas natürlich sofort riechen (ja, auch durchs Telefon), dass das nötig ist und die Tränen gerade mal wieder in Sturzbächen fließen.

Immer schön flexibel bleiben

Ein großes Problem unserer Generation ist mir bislang nie als solches vorgekommen. Früher suchte man sich eine Stadt aus und dort einen Job. Das musste kein Traumjob sein, Hauptsache es kommt Geld rein. Heute erwarten wir, und das ist ja auch gut so, mehr von unseren Jobs. Und dafür zeigen wir uns maximal flexibel und ziehen fröhlich mit unseren Kisten durch die Gegend. Seit dem Abi habe ich nie länger als drei Jahre in einer Stadt gelebt. Das hat zur Folge, dass das soziale Netz ein bisschen verloren geht. Die Familie ist mehr oder weniger weit weg und mit den Jahren werden die Freundschaften zwar enger, aber auch weniger. So sitzt man dann da, mit einem kleinen Würmchen auf dem Arm, und hat nur sich. Ein Scheißgefühl. 

Raus aus der Bude (aber Baby nicht vergessen)

Ziemlich genau zwei Monate (ver)zweifelte ich an meinem neuen Leben. Dachte, das mit dem Baby wäre eine doofe Idee gewesen, ich noch nicht bereit, bla bla bla. Kleiner Spoiler: Jetzt, das Baby ist fast ein halbes Jahr alt, halte ich mein kleines Würmchen für die aller-, allerbeste Idee, die wir jemals hatten! Dazu bald mehr im 6-Monate-mit-Baby-Rückblick.

Dann begannen die Kurse, für die ich mich angemeldet hatte: Rückbildung, Pekip … und es dauerte keine ganze Fahrstuhlfahrt, da hatte ich schon die erste Mama kennengelernt. Im normalen Leben wären wir uns wohl nie begegnet. Aber wir hatten dasselbe Problem – und, wie sich relativ schnell zeigte, mochten uns trotz aller Unterschiede.

Wenn ich durch das Baby eins gelernt hab, dann ist es, offen auf Leute zuzugehen. Das war vorher nicht gerade meine Stärke, aber in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen. Wie oft man wohl im Park, im Café oder so neben einer anderen Mama sitzt, die sich gerade genauso nach Gesellschaft sehnt wie man selbst? Man müsste einfach sagen: „Hallo, ich bin einsam!“ und dann wäre alles geklärt und niemand mehr traurig. Aber SO offen bin ich dann doch wieder nicht geworden. Vielleicht könnten wir alle einen Button an der Jacke tragen??

Kaffeetrinken all day long

Ja, so ein Baby schränkt ein. Aber es eröffnet auch neue Möglichkeiten. Ich hab mich immer, wenn ich mal frei hatte, gefragt, ob diese ganzen Muttis nichts Besseres zu tun haben, als den ganzen Tag Kaffee zu trinken, in der Sonne zu sitzen und zu quackeln. Ich verrat’s euch: Nein!

Man wird bekloppt, wenn man den ganzen Tag alleine zu Hause sitzt. Das tut weder den Mamas noch den Babys gut, denn die müssen schließlich auch soziale Connections knüpfen. Und wann hat man im Berufsalltag schon Zeit, alle Cafés im Kiez zu testen? Stundenlang in der Sonne spazieren zu gehen (bzw. im Regen, wenn man in Hamburg wohnt)? Oder Sport zu machen?

Über Sport mit Baby muss ich noch mal extra schreiben, denn das ist ein weites Feld und ich teste mich gerade einmal durch das Angebot. Schon mal so viel: Es ist möglich und Babys finden es erstaunlich spannend, eine Stunde rumzuliegen und einem beim Schwitzen zuzugucken.

Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, meine Auszeit vom Job ab sofort zu genießen anstatt in Selbstmitleid zu versinken. Denn diese “Not” hat mir einige ziemlich coole Menschen ins Leben gespült, die mir sonst vielleicht nie begegnet wären. Einsam habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt, deshalb kann ich nur jeder Neu-Mama raten: Sobald ihr fit genug seid, geht raus! Besucht Kurse, Krabbelgruppen oder verabredet euch online mit anderen. Sogar über Instagram habe ich nette Leute in meiner Nähe kennengelernt und Facebook hat ja auch für so ziemlich alles und jeden eine Gruppe. (Dieses Internet ist eben doch nicht immer schlecht.)

Abgesehen vom Draußen- und Aktivsein haben diese neuen Freundschaften übrigens noch was Gutes: Ich muss nicht mehr so oft “Ist es normal, dass…” googeln, sondern kann einfach andere Mamas fragen. Irgendjemand kennt das Problem IMMER – und meistens noch viel schlimmer als es bei einem selbst ist.

PS: Falls ihr euch fragt, worin der Zusammenhang zum Titelbild besteht: Der Affe lächelt so lieb und soll einfach alle aufmuntern, denen es in ihrer neuen Rolle als Mama bzw. Papa vielleicht noch nicht so gut geht (wird aber besser, versprochen). 🙂

Kommentare

  1. Ich mag deine Ehrlichkeit. Um etwas mit Leuten im Kiez zu machen, habe ich noch einen Tipp.
    Mhm kennst du nebenan.de? In Berlin ist das eine Plattform für Kiezaktivitäten und Kleinanzeigen im kleinen. Bestimmt gibt es das auch in Hamburg (in einer Kleinstadt vor Hamburg gibt es das auch ;).

  2. Ich kann dich sehr gut verstehen! Anfangs wohnten wir mit dem Kind noch Nähe bei Eltern und Freunden. Als unsere Tochter knapp drei war, sind wir weggezogen. Alles war neu, Nachbarn, Stadt… Anfangs gab es viel zu tun in Haus und Garten, aber dann… Der Mann ist arbeiten, das Kind im Kindergarten, Mama alleine zu Hause. (Zurück in den Job war aus verschiedenen Gründen nicht möglich.)
    Über die Mütter im Kiga kamen neue Kontakte, Aufgaben im Förderverein, Engagement in der Gemeinde…es war für mich ganz wichtig, nicht ‘nur’ einsam zuhause zu sein!
    Neues ausprobieren, gebraucht zu werden und Anerkennung zu bekommen ist so wichtig für unser Selbst-Bewusstsein! Daher kann ich jeder jungen Mutter nur raten, mutig und aufgeschlossen die Angebote auszuprobieren, neue Menschen und neue Möglichkeiten kennenzulernen!

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