Kennt ihr diese Omis, die scheinbar den ganzen Tag Bus fahren und darauf lauern, dass jemand mit Kinderwagen einsteigt? Und dann zack, schnell ein “lustiger” Spruch und schon landet die Hand auf dem wehrlosen Kinde?

Ich verrate euch etwas: Man muss gar nicht bis zur Geburt warten, um in den Genuss fremden Gebrabbels und Gegrabbels zu kommen. So ein Baby in einem Bauch ist schließlich ein kleines Wunder und Wunder sind für alle da. Dummerweise ist da noch die Bauchdecke im Weg. MEINE, um genau zu sein. Und das ist noch längst nicht alles, was mir dank Babybauch an Merkwürdigkeiten begegnet.

Die … Situation

Direkt am Anfang gab es eine Situation. Meine Hebamme war zum Kennenlerngespräch da. Zum Abschied beugte sie sich dem nicht vorhandenen Babybauch entgegen – und sprach mit ihm. Ich ließ es geschehen, schließlich sind Hebammen rares Gut und ich wollte sie nicht vergraulen. Eigenartig fand ich das trotzdem, denn für mich war der Mini-Alien damals nichts weiter als ein Punkt auf einem Ultraschallbild, und wenn Fremde mit einem Bauch reden, neigt man ja sonst schon eher dazu, mal einen Arzt zu rufen. Ich konnte ja nicht ahnen, was da noch kommen würde!

Fett oder schwanger?

Habt ihr von dieser Sendung “Fett oder schwanger” aus den Niederlanden gehört? Ungefähr bis zur SSW 32* wäre ich die perfekte Kandidatin gewesen. Da war zwar ein kleiner Bauch, den konnte man aber ebenso gut in die “zu viel Pizza”-Schublade stecken. Zwischendurch war ich sogar ein bisschen eingeschnappt, wenn jemand nicht sofort bemerkte, dass ich schwanger bin.

Kleine Anmerkung aus der 37. SSW: SEID FROH, wenn euch das vergönnt ist und ihr die Wochen, in denen die Walrosswampe wirklich mächtig ist, an einer (oder zumindest beiden) Händen abzählen könnt. Es wird irgendwann echt zur Wissenschaft, unfallfrei aus dem Bett zu kommen! 😀

Als mir schließlich, das wird so im 7. Monat gewesen sein, die Kassiererin beim Rewe “einen schönen, runden Babybauch” bescheinigte, war da also tatsächlich erst mal Freude. Juchuuu, endlich offiziell schwanger! Erst vor der Tür erfasste ich die Merkwürdigkeit in ihrer ganzen Tragweite. Ich meine: Wie würdet ihr reagieren, wenn euch die Frau an Kasse 3 plötzlich erzählt, ihr hättet einen schönen Bauch?! Und dann zu einem spontanen Bericht über die Geburt ihrer Kinder ansetzt?! “Ach, Sie hatten einen Dammriss?” Ääääähm… tschüss!

Babybauch aka. Grabbeltisch

Erinnert ihr euch daran, dass ich mich immer gefragt habe, ob man schwanger noch seinen Bauch einziehen könnte? Viele andere treibt offenbar die Frage um, wie fest so ein Babybauch wohl ist. Ehrlich, ich verstehe das! Wie sich der eigene Schwabbel anfühlt, weiß man ja. Aber so einen kugelrunden Babybauch hat nun mal nicht jeder.

Bestimmt kennt ihr diese Momente, in denen ihr euch tieeerisch zusammenreißen müsst, etwas NICHT zu tun? (Der fingerfeilenden Uschi in der Bahn die Nagelfeile wegnehmen zum Beispiel…) Nun, manche Menschen können sich angesichts eines Babybauches NICHT zusammenreißen, nach dem Motto: “Ich muss. Da. Jetzt reinpieksen.”

Hier kommt mein ultimativer Tipp: Schwängert doch einfach selbst jemanden, dann könnt ihr nach Lust und Laune rumpieksen, anklopfen und Hand auflegen. Aber BITTE. NICHT. BEI MIR. Denn auch wenn ihr es ganz unauffällig und flink macht, ich merke das trotzdem und es ist unangenehm!

Mein Bauch, das Fußballstadion

Noch viel häufiger als angegrabbelt, wird mein Bauch aber kommentiert. Man könnte meinen, ich hätte eine Einladung zum Moderatoren-Bootcamp auf meiner Stirn stehen. Es muss ein ungeschriebenes Gesetz geben, dass alle Welt dazu aufruft, Größe, Umfang und Aussehen eines Babybauchs zu kommentieren. Ungefragt natürlich. Ohne zu wissen, wie weit man gerade ist natürlich:

“WOW, der ist ja groß! Geht es bald los?”

“Oh, der Bauch ist ja noch so klein!”

“Hm hm, ganz klar, das wird ein Junge, so spitz wie der ist.”

“AUF JEEEEDEN FALL ein Mädchen, weil er ja so rund ist!”

Manchmal höre ich sämtliche Ansichten innerhalb weniger Stunden, ohne dass mein Bauch spontan explodiert oder der Mini-Alien zur Welt gekommen wäre. Verrückt, wie unterschiedlich die Wahrnehmung sein kann!

Wir sind alle Individuen – DU nicht!

Es gibt noch eine Steigerung, die Königsdisziplin des Bauchkommentierens quasi: Wildfremde, die mir innerhalb von Sekunden jegliche Individualität absprechen und mich mit dem Mini-Alien verschmelzen lassen. Anführer dieser Fremden ist auf jeden Fall der Späti-Mensch, bei dem ich am Wochenende mein Paket abholen wollte:

Späti-Mensch: “Soooo, dann bräuchte ich bitte mal euren Ausweis.”

EUREN!?!?!?!? Für einen Ausweis braucht man doch ein Passbild – der Mini-Alien weiß noch nicht mal, dass er ein Gesicht hat!

“Ach, das ist ja ein kleines Paket, das könnt ihr gut tragen.”

IHR?!??!?! Meines Babys Hände sind in meinem Bauch eingesperrt. Es wäre ultragruselig, wenn die sich plötzlich durch meine Bauchdecke bohren und fröhlich das Paket vor mir hertragen würden!

“Na dann, gutes Gelingen und habt ein schönes Wochenende!”

Krrrrzzzztztztztztz -.- … er meint es nur nett … nuuuur nett … OMMMMMM.

Bäuche sind für alle da!

Wahrscheinlich ist es einfach so: In meinem Bauch züchte ich gerade ein neues Mitglied der Gesellschaft heran. Das vielleicht mal die Welt retten wird. Oder zumindest nett ist, Älteren seinen Sitzplatz anbietet und nicht die AfD wählt.

Das macht den Bauch wohl zum Allgemeingut. Jeder darf anfassen, jeder darf kommentieren – und ich bin jetzt verdammt noch mal MUTTER, Produzentin eines Mini-Menschen, und nicht mehr NORA!

Erzählt mal: Was waren eure verrücktesten Babybauch-Begegnungen mit Fremden?

* SSW = Schwangerschaftswoche, falls ihr noch nicht in die Abkürzungswelt der Gebärenden abgetaucht seid!

Kommentare

  1. Kreatives von mir Antworten

    Da fühle ich mich doch glatt in meine Bauchzeiten zurückversetzt, so bekannt kommen mir diverse Dinge. Aber wart’s ab: Nora bist du ne ganze Weile nicht mehr. Nee, nee, du bist “die Mutter von”… 😉

  2. meine schwiegermutter hat immer gefragt : “und, wie geht es euch?” wie ätzend ist das? keine ahnung wie es dem baby grade so geht, und danke, ich bin trotzdem noch eine eigenständige, einzelne person.
    super beitrag! 🙂

    • Kenn ich auch! 😀 Tatsächlich hab ich mich auch schon erwischt, dass ich das Freundinnen gefragt hab und merke erst jetzt, wie doof das ist. ^^

  3. Oh ja, wie wahr!
    Und alle erzählen einem die gruseligsten Stories ihrer Geburten. Und wenn sie selbst noch nicht in den Genuss gekommen sind dann “also die Geburt von der Freundin einer Bekannten meiner Schwägerin…”
    Schön ist auch, dass meine Tochter immer überschwänglich begrüßt wird und ich werde vergessen. Dankeschön

    Aber du schaffst das schon
    Einfach durchhalten

  4. Bei mir ist die letzte Schwangerschaft schon über 27 Jahre her, und damals hat man seinen Babybauch noch vorzugsweise in weiten, zeltartigen Kleidern versteckt. Da hat mich niemand ohne zu fragen gepiekst oder gestreichelt. Ich vermute, es hängt damit zusammen, dass die werdenden Mütter heute ihren Bauch nicht mehr verhüllen, sondern ganz selbstbewusst herzeigen. Was natürlich trotzdem niemandem das Recht gibt, einfach dranzupacken!!! Aber mag sein, dass so eine schöne runde Kugel für manche Zeitgenossen so unwiderstehlich ist wie eine Schale mit Erdnüssen an der Bar.

  5. “Wahrscheinlich ist es einfach so: In meinem Bauch züchte ich gerade ein neues Mitglied der Gesellschaft heran. Das vielleicht mal die Welt retten wird. Oder zumindest nett ist, Älteren seinen Sitzplatz anbietet und nicht die AfD wählt.”
    Also, ich finde, anfassen geht gar nicht (also den Bauch und auch sonst), aber davon abgesehen:
    Ja, eine neues Mitglied wächst heran, ein Symbol für Zukunft und für Hoffnung.
    Für alle Menschen. Das ist doch etwas Schönes.
    Anfassen geht nicht, aber darüber freuen. Das muss möglich sein.

    • Ja, da hast du auf jeden Fall recht! Gemeinsames Freuen macht die Welt ja auch irgendwie gleich noch ein bisschen schöner. 🙂

  6. Zu mir sagte mal jemand: “Dein Bauch ist wie ein Unfall: Man will eigentlich gar nicht draufstarren, schafft es aber auch nicht wegzuschauen.” Und zack, war die fremde Hand auf meinem Bauch. Echt unmöglich.

    Im Gegensatz dazu finde ich aber auch Aussagen mancher Paare, die ein Kind erwarten, nervig: “Wir sind schwanger”, “Wir müssen uns ständig übergeben”, “Wir sind momentan echt sensibel”… Wirklich?

    Aber richtig gute Nerven braucht man dann, wenn das Kind dann mal da ist. Da wird wirklich oft in den Kinderwagen gegrabscht, man bekommt von jedem und überall den wertvollen und einzig wahren Tipp “Das Kind hat Hunger, vielleicht sollten Sie es mal stillen!?”, wird darauf hingewiesen, dass das Kind zu kalt/warm angezogen ist, etc. etc. All das passiert natürlich ungefragt und größtenteils von Fremden.

    Aber ich bin mir sicher, du nimmst das alles mit genauso viel Humor wie die sonstigen kleinen und großen Herausforderungen eines Schwangeren-und-bald-Mutter-Daseins. Alles Gute für den Endspurt!
    Andrea

    • Hahaha, die Aussage ist ja krass. Da ist man bestimmt erst mal sprachlos. 😀

      Ich werde den Kinderwagen einfach mit Stacheldraht umwickeln, dann gibt es keine Grabbeleien. Alles schon ausgetüftelt. 😛

  7. Meinen Bauch (der noch nicht einmal rund war!) wurde ende 3. Monat ein High-Five verpasst, von einem Arbeitskollegen. Als Glückwunsch, weil er gerade von einem anderen Kollegen erfahren hat das ich schwanger bin. Ich bin danach erstmal in Schock-Starre verfallen… 😉
    Mal schauen wie das noch weitergeht, ich bin wirklich auch nicht so touchy, erst recht bei fremden/entfernten bekannten :/ meh.

  8. Ich könnte endlos erzählen. Angefangen bei Hebammen, die sogar auf die Bitte das zu lassen, noch besserwisserisch meinen “Aber das ist notwendig zur Kontaktaufnahme vor der Geburt”. Klar, wenn das Kind nicht schon vor der Geburt mitkriegt wie die Mutter von Hebammen belästigt wird, kommt es sicher nicht freiwillig raus. Logisch. Bis zu dem glorreichen Abend, wo eine fremde Frau mich auf einer Silvesterfeier ausgegriffen hat, während ich auf einer Couch schlief und auf mein Aufschrecken und Zurechtweisen mit nochmaligem Anfassen nachlegte, sodass ich die Feier verlassen musste (?!?). Andere wiederum sprachen mich mit “Mama” an und wenn ich meinte “Ich bin nicht deine Mama” kamen dumme Fragen wie “Aber wie soll ich dich dann nennen?” BEI MEINEM NAMEN?! Teilweise vollführte ich tänzerische Ausweichmanöver, um nicht angefasst zu werden, war leider nicht immer schnell genug. Und umso größer der Bauch, umso netter werden die verbalen Übergriffigkeiten wie “Ach, ich höre heute noch das Geräusch der Schere als sie mir in den Damm geschnitten haben!” oder “Das wird sicher ein Kaiserschnitt, ich habe ein Gespür für sowas” oder “Mit siebzehn Stichen wurde ich genäht! Heute sind alle Frauen verweichlicht!” oder “Ich habe bei keiner Geburt geschrien, nur dass du’s weißt. Ich kann das nicht leiden, wenn Frauen schreien.” Erstaunlicher Weise waren die Ärgsten meist Hebammen, die auch noch locker lässig bei Vorstellungsgesprächen die Geschichten “IHRER Frauen” ausplauderten, teilweise mit Namen, was an denen genervt hatte und null Verständnis dafür, dass man nicht von ihnen ohne Vorwarnung und medizinische Notwendigkeit angefasst werden möchte. Als Schwangere und Mutter ist man Freiwild, genau wie teilweise die Kinder, die von Fremden gestreichelt oder auf den Po gehaut werden und wenn man dazwischen geht, bekommt man dumme Ansagen “Sagst du das oder das Kind?” Nun, bei einem Säugling, der nicht sprechen kann, gilt wohl immer noch das Wort der Mutter. Aber klar, wenn mein Kind erschrickt, weil es von hinten angefasst wird und weint, dann ist das ja nur mein persönliches Problem, DAS KIND WOLLTE DAS DOCH! Und vermutlich weint es auch nur, weil es mir einen Gefallen tun will. Die Ausreden für Fehlverhalten gegenüber Schwangeren und Kindern sind endlos. Die normalen Regeln der Höflichkeit und Intimsphäre gelten einfach nicht mehr. Und wer ein Problem damit hat, nur deswegen, weil mit einem selbst was nicht stimmt, denn alle Frauen sind gleich, werden gerne von allen angefasst, sind gefügig und wollen nur noch mit “Mama”, “IHR”, “EUCH” angesprochen werden und den Rest ihres Lebens Auskunft darüber geben, wann sie wo wie ein Kind zur Welt brachten. Eigentlich sollte man gleich den Zeugungsakt mitfilmen, achso, da wäre der Mann dann auch dabei. Mist. DAS geht natürlich nicht. Dass sich Frauen vor Hebammen entblößen ist total normal, aber wenn der Mann ins Geburtsbecken steigen will, soll er mindestens eine Badehose tragen, denn keiner will das sehen und außerdem ist das seine Intimsphäre. Und niemand fasst einem Mann an die Eier, wenn er ein Kind gezeugt hat und fragt ihn dabei, wie es so ist, wenn man Vater wird. Und wer jetzt denkt, der Intimbereich wäre wohl was anderes als der Bauch: Keine Sorge, vor der Geburt, während der Geburt und beim Stilen kann man sich als Frau auch getrost im Intimbereich ungefragt ausgreifen lassen. Natürlich nur von geschultem Personal, oder solche, die es werden wollen. Ohne Fragen und ohne die ehrliche Möglichkeit “Nein” zu sagen. Oder wieviele Frauen haben es erfolgreich geschafft eine Muttermundkontrolle abzulehnen (und nein, die sind meist nicht medizinisch indiziert), einen vaginalen Ultraschall (auch die sind meist nicht notwendig) oder gutgemeintes Gegrabsche beim Anlegen und Stillen? So macht das Kinderkriegen richtig Spaß! Ein Spektakel für alle zum Anfassen! Und das ist alles soooo natürlich mit den Hebammen und ein natürlicher Reflex der Leute. Man denke nur an all die Wildtiere, die sich ständig gegenseitig ausgreifen, wenn sie trächtig sind. Puh, da geht’s ab.

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