Wie geht Probenähen? | Teil 1

Probenähen | norainhh.de

Seit ich zum ersten Mal eine Nähseite auf Facebook geliked und in Instagram nach #nähen gesucht habe, ploppte immer wieder das Thema Probenähen auf. Gratisschnitte, kostenlose Stoffe, Plots für lau – klingt ganz schön gut, oder? Dachte ich auch und habe einfach mal mein Glück versucht. Mittlerweile habe ich zum Beispiel für TextilsuchtHedinäht, Hemmers iTex und Hummelhonig probegenäht. Zudem bin ich seit Ende 2016 Teil des Kreativlabor Berlin Probenäh-Teams und hab dafür kürzlich tolle Babymützen genäht.

Immer wieder stolpere ich bei den verschiedenen Aufrufen über die Frage „Wie geht dieses Probenähen überhaupt?“ – und das ist eine gute Frage. Denn einfach nur gratis Sachen abstauben ist das nicht. Man soll auch was dafür tun. Deshalb erzähle ich euch heute in Teil 1 dieser Miniserie von meinen Erfahrungen mit dem Probenähen.

Nächste Woche folgt Teil 2, für den ich mir mit Nina von Hedinäht, Julia von Textilsucht und Elke von Hummelhonig ein paar echte Probenäh-Profis von der anderen Seite geschnappt habe.

Wie läuft ein Probenähen ab?

Meistens stolpere ich in den sozialen Netzwerken über Probenäh-Aufrufe. Wenn mir ein Schnitt gut gefällt, melde ich mich. Ich schreibe dann kurz meine Größe, was ich nähe und den Link zum Blog.

Probenähen | norainhh.de

Bin ich dabei, werde ich in eine Facebookgruppe eingeladen. In der Gruppe wird dann der aktuelle Schnitt gepostet, manchmal auch schon die Anleitung, Stoffverbrauch, usw. Dann geht’s los. Die ersten Modelle trudeln oft schon am nächsten Tag ein. Ich bin jedes Mal beeindruckt, wie schnell manche drucken, kleben, nähen können! Nach und nach posten nun alle ihre ersten Werke und damit verbunden auch Feedback zum Schnitt, zur Passform, Stoffverbrauch und was sonst noch so auffällt. Wird der Schnitt nochmals überarbeitet, folgt eine zweite Nährunde, bis alles passt.

Was muss ich beim Probenähen beachten?

Wie so oft im Leben, gilt auch beim Probenähen: Geben und Nehmen! Damit ihr wisst, was auf euch zukommt, wenn ihr euch für ein Probenähen bewerbt, kommen hier die wichtigsten Punkte. Natürlich gibt es immer Ausnahmen. Wenn euch noch weitere Punkte oder Fragen einfallen bzw. ihr andere Erfahrungen gemacht habt, schreibt mir gern einen Kommentar! (Ich weiß ganz genau, dass hier ein paar Probenähmädels mitlesen! 😛 )

1. Nähen unter Zeitdruck

Die Schnitt- und Stoffdesigner wollen irgendwann mit ihrem neuesten Werk an die Öffentlichkeit gehen. Dementsprechend gibt es oftmals Termine, die eingehalten werden sollten. Schließlich hat man ja etwas erhalten – und will seinen Teil der Abmachung dann auch erfüllen.

2. Stoffe „verschwenden“

Oft werden Schnitte während des Probenähens überarbeitet. Dann folgt noch eine zweite Näh-Runde, evtl. sogar eine dritte. Noch mal etwas anderes ist es, wenn es darum geht, Stoffe probezunähen. Hier hat man nur eine begrenzte Menge Stoff zur Verfügung und die soll präsentiert werden. Da würde ich nach Möglichkeit immer auf ein bewährtes Schnittmuster zurückgreifen, um böse Überraschungen zu vermeiden.

3. Input liefern und diskutieren

Einfach nur nähen, Fotos schicken und zurücklehnen könnt ihr zwar machen, aber dann werdet ihr wahrscheinlich beim nächsten Probenäh-Aufruf nicht mehr ausgewählt. Die Designerinnen brauchen ja das Feedback und hoffen deshalb auf regen Austausch in den Gruppen.

4. Fotos zur Verfügung stellen

Für das zukünftige E-Book, für Facebook und Instagram, für die Blogs werden Designbeispiele gebraucht – und deshalb schöne Fotos. Zugegeben: Hier herrscht bei mir auch noch Ausbaupotential. Deshalb schicke ich bei Bewerbungen auch immer den Link zu meinem Blog mit. So weiß die Designerin, was sie von mir erwarten kann.

Probenähen | norainhh.de

Tipp für eine Bewerbung zum Probenähen

Habt ihr jetzt Lust, mal bei einem Probenähen mitzumachen? Dann beachtet für eure Bewerbung folgendes:

  • Nennt eure Kaufgröße! Wenn ihr schon Schnitte nach diesem Anbieter genäht habt, nennt auch diese Größe. 
  • Erläutert, was uns für wen ihr näht. 
  • Pöbelt nicht rum. Mal ehrlich: Hättet ihr Lust, mit jemandem zu arbeiten, der euch mit „Ach, Probenähen ist doof, ich werde ja eh nie ausgewählt.“ begrüßt. Ähm ja… vielleicht genau deshalb?!
  • Schickt ein aussagekräftiges Bild eines eurer Werke oder den Link zum Blog mit. 
  • Haltet euch kurz!

Probenähen Teil 2 – das erwartet euch

Als ich mich dem Thema Probenähen widmete, wollte ich unbedingt auch mal einen Blick auf die andere Seite werfen. Welche Erfahrungen machen Schnittmuster-Designer*innen bei Probenäh-Aufrufen? Läut das bei allen gleich? Stimmt es, dass „eh immer nur Blogs“ ausgewählt werden? Und überhaupt – macht das beim zehnten Mal noch Spaß!?

(Ab hier bitte in Gedanken die Stimme eines Tagesschau-Moderators nachmachen:) Bleiben Sie dran, wenn es nächste Woche wieder heißt: „Wie geht Probenähen?“ – mit einem exklusiven, super geheimen, noch nie da gewesenen Blick hinter die Kulissen von Hedinäht, Textilsucht und Hummelhonig.

Oh! Und wenn ihr Teil 2 nicht verpassen wollt: Folgt mir bei Facebook und/oder Bloglovin!

12 comments on “Wie geht Probenähen? | Teil 1

  1. Ach und was ich noch sagen wollte 😉 :
    Ich nähe gerne zur Probe – an der Verfeinerung eines Schnittes dabei zu sein ist toll.
    Eigene Ideen zu entwickeln – wenn diese gewünscht sind- ist fein.
    Allerdings ist es wirklich „Arbeit“ und meist nicht so nebenbei zu erledigen.
    Anke

  2. Vielen Dank für die Erklärung. Ich selbst habe noch nie probegenäht, bzw. mich beworben stolper aber gefühlt ständig über Aufrufe und Ergebnisse. Scheinbar macht es großen Spaß. Aber wie du schreibst muss man erstmal mit dem Timing klar kommen. Das halte ich für die größte Herausforderung. Vor allem wenn man ein Kind zuhause hat – da geht oft ganz spontan ein Nähabend flöten und man liegt eingequetscht total verbogen im Kinderbett und denkt sich: ja, die Nähpläne für den Abend waren in der Theorie gut 🙂
    Viele liebe Grüße und weiterhin viel Spaß beim Probenähen,
    Britta

  3. Vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Ich denke, dass nicht jedem so ganz klar ist was alles damit verbunden ist und worum es eigentlich geht.
    Für mich persönlich kommt das Probenähen gar nicht in Frage. Zeitdruck, möglicherweise „Stoffverschwendung“ und jegliche Art von Verpflichtung lassen sich für mich mit meinem Hobby so gar nicht vereinbaren. Dafür zahle ich lieber paar Euro bzw. greife eh in den meisten Fällen auf die Schnittmuster aus den Zeitschriften zu.
    Aber das muss jeder selber für sich entscheiden und wie meine Vorrednerin schrieb: es scheint ja vielen Spaß zu machen 🙂
    Lieben Gruß
    Katharina

  4. Wirklich schön kurz und knackig geschrieben, was einen beim Probenähen erwartet.

    Das Thema „Stoffverschwendung“ ist da so eine Sache: verwendet man für das erste Teil nur „Schrottstoff“ und näht erst das letzte im richtig schönen Stoff? Aber was ist, wenn das erste schon super ist? Dann ärgere ich mich über den blöden Stoff… Ich nehme daher von Anfang an schönen, aber preiswerten Stoff oder den ich mal irgendwo als Rabatt gekauft habe. So ist das Shirt trotzdem hinterher tragbar – auch wenn vielleicht die Passform noch nicht so ganz perfekt ist. Oder ich verwende Reste und mixe diese. Kann sehr schön aussehen und man hat Reste aufgebraucht.

    Was mir wichtig ist: wenn ich kontruktives Feedback geben, möchte ich auch gerne, das dies von der Schnittdesignerin wahrgenommen wird. Natürlich kann diese nicht persönlich auf alle eingehen, aber wenn 15 Leute das gleiche Feedback schreiben, ist es schön, wenn man dann von der anderen Seite irgendein Statement zu lesen bekommt. Entweder „Danke, da habt ihr recht, ich ändere das!“ oder „Danke für eure konstruktive Kritik, aber aus den und den Gründen lasse ich es so.“ Bei meinem letzten Probenähen habe ich sogar eine PN dazu bekommen, was ich sehr toll fand.

    Eure Charla, die sich nur dann für ein Probenähen meldet, wenn es zeitlich passt. Gerade letzte Woche hätte ich mich bei einem gerne beworben, aber es hätte zeitlich überhaupt nicht funktioniert

  5. Bei den Tipps zur Bewerbung fehlt mir ein wichtiger Punkt: Achte auf Deine Rechtschreibung und Grammatik!
    Manchmal schaue ich mir einfach aus Spaß Bewerbungen auf „facebook“ an, weil es dort so viele schöne Bilder zu bestaunen gibt. Aber auch die schönsten Bilder bringen nichts, wenn sich im zugehörigen Text der Fehlerteufel eingeschlichen hat. LG Nikola

Kommentar verfassen