Umstandsshirt nähen aus jedem Schnitt | Teil 1

Umstandsshirt nähen | norainhh.de

Wohooo, it’s tutorialtime! 🙂 Meine Kugel ist in den letzten Wochen ganz schön explodiert und dieser Sommer lädt ja nun wirklich nicht dazu ein, sich dem Bauchfrei-Trend anzuschließen. Also was tut die schlaue Handarbeitsomi von heute? Genau: ein Umstandsshirt nähen. Oder zwei. Oder drei. Ja okay, es sind vier.

Aber das Gute am Selbernähen ist ja: Wenn der Mini-Alien da und der Babybauch weg ist, kann man aus den Umstandsoberteilen relativ easy normale T-Shirts nähen. Oder Babyklamotten. Hach, das Leben kann ja so einfach sein!

Zwei Teile, drei Anleitungen

In den letzten Wochen habe ich fleißig geschnippelt und genäht, aufgetrennt und noch mal neu genäht … Jaaa und erneut aufgetrennt, wie das halt so ist, wenn man vergesslich wird und alles wieder zusammennäht, ohne die geplante Änderung überhaupt vorgenommen zu haben. Alles mit nur einem Ziel: den perfekten Weg finden, wie sich aus JEDEM Schnittmuster für Oberteile ein Umstandsshirt nähen lässt. Die ersten zwei Optionen zeige ich euch heute, der nächste Teil mit einer weiteren Varianten folgt nächste Woche. In diesem Sinne: volle Tutorialpower voraus!

Welche Schnitte sind geeignet?

Ihr habt einen Lieblingsschnitt für T-Shirts oder Pullover? Dann ist dieser ziemlich sicher perfekt. Einzige Voraussetzung: Er sollte keine verrückten Raffinessen im Vorderteil haben. Knopfleisten stören bei diesen beiden Anleitungen jedoch nicht (im Gegenteil: So könnt ihr das Shirt später direkt zum Stillshirt umfunktionieren). Ärmelform und -art sowie Rückenteil sind ebenfalls völlig wumpe. Sicherlich funktionieren diese Anpassungen auch für Blusen, ich habe es jedoch nur mit Vorderteilen, die im Bruch zugeschnitten werden ausprobiert.

Allen vier Shirts, die ich euch hier und in Teil 2 zeige, liegt das Kimonotee zugrunde. Das ist ein Freebook und hat sich für mich auch ohne Babybauch schon bewährt. Ich habe es in Größe M genäht und bin dabei auch für meine Umstandsversionen geblieben. Einzige Änderung, die ich IMMER mache: den Saum um 4cm verlängern. Weil wegen bauchfrei und so …

Variante 1: Ausgestelltes Vorderteil

Denkbar einfach ist diese Möglichkeit, dem Bauch mehr Platz zu verschaffen: Das Vorderteil wird ausgestellt. Gelernte Schneider*innen schlagen sich da vermutlich die Hände überm Kopf zusammen, aber es funktioniert super! 😀

Um die Schnittänderungen vorzunehmen, lege ich das Vorderteil an die Bruchkante und zeichne die neuen Linien mit Schneiderkreide oder, bei dunklen Stoffen, mit einem wasserlöslichen Textilstift vor.

Einfaches Umstandsshirt nähen - Anleitung | norainhh.de

1. Oberteil verlängern

Messt eure Babykugel aus: Einmal über die Wölbung (= Länge 1) und einmal seitlich (Länge 2). Die Differenz aus beiden Längen ergibt, um wie viel ihr das Vorderteil nach unten verlängern müsst.

Umstandsshirt nähen | norainhh.de

2. Saum ausstellen

Markiert nun auf Höhe des Saums einen Punkt, ca. 5 cm (je nach Bauchumfang ist auch mehr möglich) von der originalen Schnittlinie entfernt. Setzt außerdem eine Markierung auf Höhe der Brust. Verbindet beide Markierungen miteinander.

Umstandsshirt nähen | norainhh.de

Falls der Schnitt eine Taillierung hat, vergesst diese – davon ist ja mit wachsendem Bauch eh nicht mehr viel übrig. 😉 Sie würde außerdem nur unnötig Platz wegnehmen.

3. An die NähMa: Umstandsshirt nähen

Schneidet das Vorderteil mit der neuen Seitenlinie und dem verlängerten Saum zu und näht das Shirt entsprechend der Anleitung fertig. Das Vorderteil ist nun etwas länger als das Rückteil – den Überstand könnt ihr einfach wegschneiden.

4. Optional: Saumbündchen annähen

Diese Schnittanpassung berücksichtigt natürlich nicht, dass ihr unterhalb des Bauches wieder schmaler werdet. Dadurch „flattert“ das Shirt unten etwas. Deshalb habe ich noch ein 10 cm breites Saumbündchen angefügt.

Umstandsshirt nähen | norainhh.de
Hier seht ihr nicht nur das Bauchbündchen, sondern auch gut, dass das Vorderteil unten weiter ist als das Rückenteil.

Messt dazu euren Hüftumfang, schneidet das Bündchen entsprechend zu und näht es an. Zack, schon flattert nichts mehr. Mein Shirt ist übrigens etwas länger als nötig – so ist noch genug Platz für drei Monate wachsen (hoffentlich!) und danach kann ich einfach das Bündchen abnehmen, die Seitennähte begradigen und das Kimonotee dann als ganz normales T-Shirt weitertragen.Umstandsshirt nähen | norainhh.de

Variante 2: Raffung mit Framilonband

Eleganter, aber dafür auch ein klitzekleines bisschen aufwendiger: ein Umstandsshirt nähen, das durch das Raffen mit Framilonband mehr Weite im Bauchbereich erhält. Framilon wird auch Framilastic genannt und ist so ein durchsichtiges Gummiband. Ich habe es in der Breite 10 mm verwendet. Statt mit Framilon könnt ihr auch mit zwei Heftnähten raffen.

Insgesamt ist der Sitz ein bisschen schöner und figurbetonter als beim Verbreitern des Schnitts.Umstandsshirt mit Raffung nähen - Anleitung | norainhh.de

1. Vorderteil vorbereiten

Messt den Abstand vom  oberen Bauchansatz bis auf Achselhöhe (= Länge 1). Markiert diesen Punkt mit einem Knips (roter Punkt oben). Nun messt ihr einmal SEITLICH die Länge eures Bauches runter (Länge 2) und einmal über die Wölbung des Bauches (Länge 3). Macht außerdem einen zweiten Knips am unteren Bauchansatz (roter Punkt unten).

Länge 3 – Länge 2 = Länge, um die ihr das Vorderteil verlängern müsst. Ich habe das Kimonotee um 12 cm + 4 cm Saumzugabe verlängert.

Umstandsshirt nähen | norainhh.de

2. Nähen mit Framilonband

Länge 2, die ihr in Schritt 1 gemessen habt, ist auch die Länge, in der ihr das Framilastic zuschneiden müsst. Tipp: Gebt noch 1 cm dazu, dann fällt der Anfang leichter.

Legt das Framilon am oberen Knips an. Näht zunächst ein paar Geradstiche, ohne es zu dehnen. Dann dehnt das Framilon bis zum zweiten Knips und näht es mit einem Zickzackstich (Stichbreite 3-4) fest. Hier ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt, da sich das Band unter der Nadel gern mal doof zusammenzieht. Seid ihr am zweiten Knips angekommen, gut verriegeln. Das Ganze auf der zweiten Seite des Vorderteils wiederholen.

3. Fertig nähen

Nun könnt ihr mit dem Nähen ganz normal fortfahren. Das Vorderteil wird durch die Kräuselung auf die Länge des Rückenteils zusammengezogen, sodass beide Teile wieder aufeinanderpassen. Über die Kräuselung wird einfach drüber genäht.

Umstandsshirt nähen | norainhh.de

Die Plotterdatei „Pin-up Girls“ ist von Komplott, den Spruch dazu habe ich selbst erstellt (Schriftart: Luna). Schaut in meine Anleitung für Schrift plotten für mehr Tipps!

Verlinkt: RUMS

Schnittmuster: Kimonotee von Maria Denmark

MerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerken

14 comments on “Umstandsshirt nähen aus jedem Schnitt | Teil 1

  1. Klasse Anleitungen!! Eine Frage zu der gerafften Variante (sorry falls ich es nur einfach nicht geblickt habe…): wie schneidest du das Vorderteil zu? Nur verlängern reicht doch nicht, oder??
    LG, Steffi

    1. Doch, doch, das reicht! Durch das Raffen holst du quasi den Stoff, den der Bauch extra benötigt, an die richtige Stelle. 🙂

  2. Ich habe bis jetzt immer mit der Raffung gearbeitet, mit Heftnähten. Das geht super und lässt sich nach der Schwangerschaft relativ einfach zu einem normalen Shirt wieder umnähen.
    Sehr schön deine 2 Shirts. Und so eine schöne Babykugel liebe Nora 🙂

    Herzlich Daniela

    1. Die geraffte, hab es jetzt 7cm verlängert. Aber wie lang muss dann das Framilongummi sein? Länge 2 – der Verlängerung? (28-7?)

    2. Schau mal bei Punkt 2:

      Länge 2, die ihr in Schritt 1 gemessen habt, ist auch die Länge, in der ihr das Framilastic zuschneiden müsst. Tipp: Gebt noch 1 cm dazu, dann fällt der Anfang leichter.

      So hat es bei mir immer am besten funktioniert 🙂

  3. Okay da steh ich Grad auf den Schlauch weil wenn ich das Gummi in der gleichen Länge zuschneid dann rafft sich doch nix also Länge 2 sind bei mir 28cm und das Gummi dann auch 28cm

    1. Also: Du misst einmal vorne über deinen Bauch. Von unter der Brust, über den Bauchnabel bis dahin, wo der Bauch „endet“. Das ist Länge 3.

      Dann misst du, wie lang die SEITE deines Bauches ist. Das ist Länge 2.

      Dann rechnest du Vorderseite des Bauches minus Seitenlänge – um so viel musst du den Schnitt verlängern.

      Und dann nimmst du Framilon in der Länge der Seite des Bauches, um diese Verlängerung quasi wieder „wegzuraffen“.

      Ich hoffe, so versteht man es?! 😀 Du willst ja, dass die Seitenlänge vom Schnitt bleibt, du brauchst nur vorne mehr Stoff.

Kommentar verfassen