So war’s: Das Nähcamp in Petershagen

Über zwei Wochen ist das Nähcamp von/mit Nina von Hedinäht schon wieder her. Direkt im Anschluss war ich ein paar Tage im Urli. Jetzt wird es mal Zeit, dass ich euch erzähle, wie es war  – und natürlich will ich auch zeigen, wie fleißig ich genäht habe!

„Na, was machst du am Wochenende?“ – „Ich fahr ins Nähcamp.“

Wie doof ich für diese Antwort im Vorfeld angeguckt wurde, könnt ihr euch bestimmt denken. Nur Nähnerds verstehen, wie sehr ich mich auf dieses Wochenende gefreut habe: Fast 48 Stunden lang dem Lieblingshobby widmen, ohne dass jemand stört, ohne dass eingekauft oder die Wohnung auf Vordermann gebracht werden muss. Fast 48 Stunden nur umgeben sein von Menschen, die eine große Liebe teilen: Nähen. Klingt ein bisschen sektenmäßig, oder? War aber richtig, richtig cool!

Auf zum Nähcamp Petershagen!

Ich bin eigentlich nicht gerade der Socialising-Typ. Keine Ahnung, was mich geritten hat, ganz alleine ein ganzes Wochenende lang mit 50 Fremden in einer Jugendherberge verbringen zu wollen. Normalerweise verfalle ich in so einer großen, mir unbekannten Runde eher in eine spontane Schockstarre, weiß nicht, was ich sagen soll und versuche, einfach unsichtbar zu werden. Aber dafür hatte ich ja dieses Wochenende nicht gebucht!

Nähcamp | norainhh.de

Ganz alleine war ich tatsächlich gar nicht. Über Instagram hatte ich mich mit Rabea von Rabeerchen verabredet. Sie wohnt quasi auf halber Strecke zwischen Hamburg und Petershagen und ich habe sie unterwegs mit dem Auto eingesammelt. Über die Facebookgruppe, die Nina organisiert hatte, fand ich auch noch eine liebe Mitfahrerin, die mich die VIER Stunden, die die Fahrt schließlich bis Hannover dauerte, bestens unterhielt. Ja ja, freitäglicher Feierabendverkehr in der Hansestadt … ick sag’s euch!

Living la vida Jugendherberge

Die Nähcamps sind ein Gemeinschaftsprojekt von Nina und den Deutschen Jugendherbergen. Jugendherbergen?! Ist das nicht eher für Kinder?! Bei mir werden da sofort Erinnerungen wach: Doppelstockbetten, nächtliches Gekicher im Ferienlager ohne Eltern, blank polierte PVC-Böden und dieses typische Schulessen mit labberigen Pommes und irgendwie immer etwas unnatürlich grünen Erbsen.

Was soll ich sagen: Es war alles GENAU SO, wie ich es noch im Kopf hatte. Nur in modern, hell und schön. Mit grooooßem Badezimmer (nicht auf dem Gang, jedes Zimmer hatte ein eigenes) und eindeutig stabileren Doppelstockbetten als früher. Sogar die Erbsen waren noch immer extra-grün. 😀

Ich habe übrigens oben geschlafen. Auch wenn ich lieber die untere Etage genommen hätte. Es war nämlich just in einer Jugendherberge, dass ich mal volle Möhre aus einem Doppelstockbett gefallen bin. Und mit fallen meine ich, dass ich ihm Rahmen einer höchst intelligenten Mutprobe beweisen wollte, dass ich von einem Bett rüber aufs andere springen kann. Oben natürlich. Kann ich nicht.

Für das komplette Wochenende mit Vollverpflegung inkl. Kuchen, jederzeit Zugriff auf Getränke und Kaffee, 2 Nächten im Mehrbettzimmer und einem Platz im Nähzimmer habe ich ungefähr 120 Euro bezahlt – das finde ich wirklich nicht viel und hat sich sooo gelohnt! Wir wurden echt so gut versorgt, dass mein Süßigkeiten- und Bananenvorrat fast unangetastet wieder mit nach Hause fuhr. (Fast!)

Eine kleine Sekte

Nachdem wir am Freitag deutlich später als geplant eintrudelten und dann zunächst Abendessen und Willkommensdrink anstanden (inklusive Goodiebags auspacken <3), ging das Nähen bei mir erst gegen 21 Uhr richtig los. Eine Zeit, zu der ich normalerweise die Maschinen eher abschalte. Hier stand nun erst mal das Kennenlernen der Tischgenossinnen an, der Aufbau unserer Utensilien und dann glühten bis 24 Uhr die Nadeln. Samstag liefen die NähMas von ca. 9 bis 24 Uhr heiß (mit Futterpausen) und am Sonntag konnte ich noch ein, zwei Projekte fertigstellen, bevor es mittags wieder gen Heimat ging.

So war's: Nähcamp Petershagen | norainhh.de
Die tolle Goodiebag mit ganz viel Nähnerdzeug von Alles für Selbermacher, Albstoffe, Hedinäht, Nähpark, Sewunity, Glücksmarie, Hamburger Liebe, Snaply, Happyserendipity, byGraziela und Ricedk 🙂

Von 14 bis 70 waren so ziemlich alle Altersklassen vertreten. Alles Frauen und alle ganz unterschiedlich: Die einen hatten mit Instagram und Bloggen gar nichts am Hut, andere Gesichter kannte ich schon aus meinem Feed. Manche waren quasi Profinäher, andere wagten nach längerer Pause mal wieder einen Versuch. Die 50 Frauen waren einfach so unterschiedlich, aber trotzdem herrschte in dem großen Raum eine total angenehm nette, ruhige Stimmung.

Ich habe mich eher aufs Nähen konzentriert und wenige Kontakte geknüpft. Trotzdem habe ich immer wieder hilfreiche Tipps aufgeschnappt und im Nu Hilfe bekommen, als ich beim Shorts zusammennähen nicht mehr weiter wusste. Das Teil wäre zu Hause definitiv auf dem „Auf Nimmerwiedersehen“-Stapel gelandet – dank meiner Mit“camper“ habe ich das Teil mittlerweile fertiggestellt. 🙂

Was ich im Nähcamp genäht habe

Es war so spannend zu sehen, wie viele unterschiedliche Projekte entstanden sind. Vorne im Raum stand ein Kleiderständer, auf dem alle Werke aufgereiht wurden. So musste man nicht „Zeig maaal!“ schreiend durch die Gegend flitzen, sondern konnte zwischendurch in Ruhe staunen. Die eine stellte ein Sommerkleid nach dem anderen fertig, die Nächste eine supercoole Regenjacke und irgendwo wurde sogar gepatchworked. Die fertigen Werke waren noch unterschiedlicher als die Teilnehmerinnen vom Nähcamp. Und was für großartige Stoffe ich gesehen habe! Zum Glück stand nicht immer gleich dran, wo es sie zu kaufen gibt, sonst hätte ich kein Benzingeld mehr für die Heimfahrt gehabt. 😀

Ganz klar in der Überzahl waren natürlich die Hedinäht-Schnitte: So viele verschiedene Frau Avas, Frau Jettes, Maditas, Tildas und Lilias sind entstanden, einfach unglaublich cool. Wenn man mal nicht wusste, welche Größe man am besten nähen sollte, fand sich immer wieder jemand, der sein fertiges Teil zum Probetragen anbot. So eine Chance bietet sich beim Nähen ja auch nicht alle Tage!Ich habe mich dem Hedinäht-„Wahn“ natürlich angeschlossen. Zugeschnitten hatte ich in der Woche vor dem Nähcamp bestimmt zehn Projekte. Das wollte ich gar nicht alles schaffen, aber ich musste dringend mal Stoffabbau betreiben.

Ich habe schließlich genäht:

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Frau Madita (Hedinäht) aus schwarzem Jersey und mit Oops-Patch (von stoffe.de).
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Frau Lilia (Hedinäht) aus einem hellen Denimstoff mit Jerseybündchen.
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Dank Jerseybund statt Gummiband hinten ist noch genug Platz für den Babybauch – und Weihnachten dann für Kekse! 🙂
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Mal wieder ein #swag Tshirt (FashionTamTam) aus einem ganz leichten, fließenden Jersey mit Happy-Rainbow-Patch von makema.
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Das Vorderteil vom #swag habe ich um 10 cm verlängert und mit Framilastic gekräuselt. Platz schaffen und so.
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Julika (Prülla) aus Jersey, die ich allerdings erst zu Hause ganz fertiggestellt habe. Und die passende Shorts, die ich irgendwie nicht mehr finde. o.O
Nähcamp | norainhh.de
Ich mag’s maritim, da lag die Kombi blau-weiß nahe, oder?!

Außerdem habe ich noch zwei Sommerblusen (lenipepunkt) angefangen. Die sind aber noch in the making.

Tausend Dank an Nina und das DJHW für diese tolle Idee! Und an Rabea, die der perfekte Nähbuddy für mich war! 🙂

Verlinkt: RUMS 

Immer up to date in Sachen Nähcamp: facebook.com/naehcamp/ 

Noch ein Blogartikel über das Nähcamp Petershagen: Malamü

10 comments on “So war’s: Das Nähcamp in Petershagen

  1. Superschön Sachen, die du da genäht hast und total interessant mal zu hören, wie so ein Camp abläuft. Glückwunsch zum Babybauch, das ging wohl bisher irgendwie an mir vorbei 😉
    Liebe Grüße, Katharina

  2. ach es war echt nett mit euch allen =) war echt ne coole zeit. denke wir sehen uns bei einem der nächsten nähcamps vielleicht wieder =)

  3. Hui, super produktiv würde ich sagen!! Das Nähcamp hört sich wirklich nach einem Paradies für Nähnerds an. Zu schade, dass ich nicht dabei sein konnte. Aber irgendwann klappt das bestimmt!!!
    Liebe Grüße
    Julia

  4. Warum habe ich bisher noch nie von diesem Nähcamp gehört, das ist ja total cool! 🙂 Hab gleich mal die Facebook-Seite abonniert, danke für den Tipp!
    Und wie mega produktiv du an zwei Tagen warst, nicht schlecht! Die Rückansicht auf dem letzten Foto gefällt mir total gut, sowas ähnliches hab ich auch in Planung 🙂

    Liebe Grüße
    Katha

  5. Hi nora…. ich liebe deine Art zu schreiben. Wenn die Kinder größer sind fahre ich unbedingt auch mal mit, das klingt total reizvoll… du hast ja wohl das Maximum rausgeholt! Tolle Sachen sind entstanden! Lg Sarah

    1. Oh, danke! 🙂 Nimm doch die Kinder einfach mit (inkl. Papa) – dann kannst du nähen und die Kinder spielen. Hat in Petershagen auch jemand gemacht und das scheint gut geklappt zu haben – zumindest hatten alle immer gute Laune. 🙂

  6. Ach wie toll geschrieben!! Einfach schön war es und ich hab mich gefreut das wir uns die tolle Zeit an einem Nähtisch geteilt haben 🙂 viele liebe Grüße Caro

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