Mein Retrokleid: Schwing das Ding!

Im August bin ich gleich auf zwei Hochzeiten eingeladen. Aber einfach ein Kleid kaufen? VIEL zu einfach.

Also machte ich mich auf die Suche nach einem passenden Schnittmuster für ein Kleid. Die Entscheidung fiel ziemlich schnell auf das Retrokleid von Burda Young. So einen Tellerrock wollte ich schon immer mal tragen!

Burdastyle Retrokleid | norainhh.de

Nächste Herausforderung (bei einem Kleiderschrank, der zu 90 % aus schwarz, weiß und dunkelblau besteht): Auf einer Einladung stand: „Frauen gerne farbenfroh“. Aber auch da wurde ich fündig. Zum einen wurde es ein Baumwollsatin aus der Stoff-Schatzkiste (über Dawanda) und zum anderen ein Wirkfutter von Buttinette.

Nachdem ich fix ein Probekleid genäht hatte, dachte ich noch: „Och, das gute Stück kriege ich locker an einem Tag fertig.“ Pustekuchen … Letztendlich dauerte es fast zwei Wochen. Allerdings konnte ich immer nur abends nähen, es waren also keine 8-Stunden-Schichten. Na gut, sehen wir es positiv: Dadurch kann ich mit diesem Post endlich mal bei RUMS mitmachen!

Woran es lag, dass ich nebenbei die komplette erste Staffel Gilmore Girls genetflixt hab, will ich euch nicht vorenthalten. Vielleicht kennt ihr diese Probleme – und findet hier die Lösung.

Problem #1: Stoff mit Muster zuschneiden

Erst mal fröhlich drauf los schnippeln. Ging schön schnell, war aber keine gute Idee, da der Stoff ein unregelmäßiges Muster hat. Das bemerkte ich aber auch erst, als ich das Oberteil #1 schon zusammengenäht hatte (zum Glück noch ohne Reißverschluss!). Optimalerweise soll ja das Muster an den Nähten aufeinandertreffen und sich immer schön fortsetzen. Beim Tellerrock war es mir egal, da man es dort nicht so sehr sehen würde. Anders am Oberteil: Hier galt es insgesamt sieben Teile aneinander zu nähen. Und das möglichst ohne Unterbrechung des Musters. Also zurück auf Anfang und hier meine Tipps, wie ihr am besten einen gemusterten Stoff zuschneidet:

Breitet den Stoff komplett vor euch aus. Schneidet nicht im Bruch zu, sondern spiegelt stattdessen das Schnittmuster. So könnt ihr auch besser festlegen, welcher Teil des Musters wie präsent auf dem Kleid auftauchen soll.

Burdastyle Retrokleid | norainhh.de

Schneidet zuerst das Hauptteil zu (in meinem Fall das mittlere Vorderteil). Sucht euch dann eine Stelle, an der sich das Muster wiederholt. An dieser Stelle wird das schon ausgeschnittene Teil angelegt. Die Nahtzugabe hab ich dabei umgesteckt, sodass kein Übergang zu sehen ist. Dann habe ich mit einem Verschwindestift die Kontur nachgezogen und das anschließende Schnittteil angelegt.

Warum ihr nicht einfach an der ausgeschnittenen Stelle weitermachen könnt? Ich sag nur Nahtzugabe. Die müsst ihr noch entlang der vorgezeichneten Markierung hinzufügen, nachdem ihr das Schnittteil vorgezeichnet habt.

Wichtig ist, dass ihr die einzelnen Teile immer ohne Nahtzugabe aneinanderlegt. Nur so setzt sich das Muster fort. Irgendwann kommt ihr zu den letzten zwei Teilen, die vermutlich nicht perfekt aneinanderpassen werden. Bei mir war das die Stelle am Reißverschluss hinten. Beim nächsten Mal würde ich es auf eine der Seitennähte umlagern, dann ist es noch weniger sichtbar.

Ich hab mich dabei wirklich richtig, richtig blöd angestellt und hatte ungefähr 100 Knoten im Kopf. Kennt ihr das Problem auch und habt noch weitere Tipps?

Keine Arme, kein Problem 😉

Problem #2: Reißverschluss wellt sich

Oberteil fertig, Rockteil angenäht – super, da fehlt ja nur noch der Reißverschluss! Möglichst nahtverdeckt sollte er sein. Dazu benötigt man zum einen einen farblich passenden Reißverschluss und zum anderen ein spezielles Füßchen für die Nähmaschine. Es hat unten zwei Rillen, durch die die Zähnchenreihen geführt werden.

Zum anderen kann ich nur eins empfehlen: Formband! Das macht wirklich so viel aus, denn der Stoff kann sich dann nicht mehr verziehen und bleibt in Form. Anschließend habe ich den RV erst einmal mit dem Kantennähfuß, einem kontrastfarbigen Garn und großer Stichlänge (4) befestigt. So konnte ich auch gleich noch mal prüfen, ob die Position stimmt. Als alles passte, konnte ich das gute Stück richtig festgenäht. Zum Schluss gründlich bügeln, dann sollte sich nichts mehr wellen.

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Problem #3: Ärmellöcher stehen hinten ab

Okay, an diesem Punkt schwankte ich minütlich zwischen Wuttränen, Tränen vor Verzweiflung und „Mir egal, ich lass das jetzt so.“ Aber nein! Es sollte doch das perfekte Kleid werden! Und es sah einfach doof aus, wie die Armlöcher hinten so abstanden. Ich muss zugegeben: Meine Lösung ist pures Gemauschel. Aber es hat geklappt und vielleicht bringt es euch ja auch auf den richtigen Dampfer.

Zuerst vergrößerte ich den Armausschnitt nach unten und hinten ein wenig. Dabei legte ich den Stoff einfach über mein Knie – funktioniert angewinkelt ganz gut als Ersatzschulter.

Anschließend machte ich eine Art versetzten Abnäher „über“ die hintere Seitennaht, wobei ich hinten mehr Stoff wegnahm als vorne. So wurde das Rückteil noch etwas nach unten gezogen. Nach dem Versäubern saß es dann deutlich besser. Damit die andere Seite genauso aussieht, zeichnete ich eine Schablone auf Papier und übertrug sie dann einfach. Manchmal bin ich über meine eigene Genialität erstaunt. 😀

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Das Retrokleid im Härtetest

Einen Tag nach Fertigstellung konnte ich mein neuestes Werk direkt ausführen und ich muss sagen: Ich habe mich wirklich wohlgefühlt!

Das Oberteil ist figurbetont, aber nicht eng. Besonders mag ich die Einfachheit des Schnittes. Hals- und Armausschnitte werden mit dem Futter versäubert (und besser gebügelt, als ich es getan hab), was sehr schön und schlicht aussieht.

Burdastyle Retrokleid | norainhh.de

Der Tellerrock fällt ebenfalls sehr schön. Für meinen Geschmack könnte er jedoch noch etwas länger sein. Ohne Unterrock hätte ich mich zwischendurch doch etwas nackig gefühlt – vor allem, weil es zwischendurch sehr windig war und ich fast die Marilyn gegeben hätte. Aber nur FAST!

Der schlichte Schnitt eignet sich einfach perfekt für etwas ausgefallenere oder Stoffe mit großem Muster. Wenn ihr euch etwas Zeit für dieses Projekt nehmt und ERST denkt, DANN näht, braucht ihr garantiert keine zwei Wochen, so wie ich!

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10 comments on “Mein Retrokleid: Schwing das Ding!

    1. Oooh, danke das freut mich aber! 🙂

      (Ich bin auch mehrmals verzweifelt, aber ich wollte nicht nackig zu den Hochzeiten gehen 😛 )

  1. Das Kleid sieht PERFEKT aus! Richtig schön, ich mag diese Art von Schnitt total 🙂
    Und das Muster dazu – steht dir total gut!
    Liebe Grüße, Fredi

  2. Wow..die Arbeit hat sich gelohnt. Ich habe den Schnitt hier schon ein Jahr liegen und habe mich bisher nicht getraut ihn zu probieren. Ich bin mega schmal gebaut, habe aber dafür eine recht große Oberweite und befürchte da so einige Komplikationen. Aber danke für deine Tipps, sind alle abgespeichert.
    Liebe Grüße,
    Rike

  3. Ich mag es, ich mag es, ich mag es!! Also falls du das Kleid irgendwann nicht mehr haben möchten würdest… Dann wäre HIER ein glücklicher Abnehmer! … 😉

    Es ist dir wirklich wunderbar geglückt, und ich würde exakt genauso auch tragen! Gleicher Schnitt (Übrigens ein sehr toller Schnitt -Tellerrock+oben Figur betont= Perfekt-) und Stoff- sehr schöner Kontrast!

    Die Problemchen die du zwischendurch mit dem Nähen hattest, sieht man dem Gesamtwerk kein Stück an!

    Ich bin beeindruck, dass du trotz Verzweiflung weitergemacht hast! Ich glaube ich hätte es auf „Ach, egal, ich lass das jetzt so!“ beruhen lassen.. 😀

    Ich wünsche dir weiterhin viel Geduld! 😛
    Camilla

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