Hätte mir heute vor einem Jahr jemand gesagt, dass sich mein Leben in drei Wochen aufgrund zwei kleiner Striche gewaltig ändern würde … 

Hätte mir vor drei Monaten jemand erzählt, dass ich am Ende des Tages Mama sein würde …

Hätte mir vor zwölf Wochen jemand erzählt, dass die Schmerzen WIRKLICH vorbeigehen und das mit dem Stillen besser klappen wird …

Hätte mir vor zehn Wochen jemand erzählt, dass Größe 50 gar nicht für immer passt …

Hätte mir vor acht Wochen jemand erzählt, dass auch wieder bessere Nächte kommen …

Hätte mir vor sechs Wochen jemand erzählt, dass das Baby gar nicht so zerbrechlich ist wie es aussieht …

Hätte mir vor vier Wochen jemand erzählt, dass es sich schon ganz bald das erste Mal drehen und Dinge festhalten wird …

Hätte hätte Fahrradkette … ich hätte dieser Person nicht geglaubt.

Drei Monate mit Baby

Man liest ja immer, wie selig, glücklich und zufrieden frischgebackene Mamas mit ihrem Nachwuchs sind. Trommelwirbel, Paukenschlag, hier kommt ein Geständnis: Mir ging es nicht so. In den ersten Wochen als Mama war ich eher das Gegenteil von glücklich: unsicher, ängstlich, übermüdet und irgendwie einsam. Ich fremdelte mit dem Baby, mit meiner neuen Rolle und fragte mich, ob das alles so eine gute Idee war. Das Baby konnte nicht alleine schlafen, tat das aber ganz schön viel und tagsüber hatte ich somit keine Sekunde für mich. Und meine Arme dadurch auch nicht.

Drei Monate später denke ich: Ja, es war eine gute Idee! Mein Baby ist heute genau ein Viertel Jahr alt und vom Fremdeln, von der Unsicherheit ist nicht mehr viel übrig. Es schläft nachts zehn Stunden am Stück, ich bin fit wie ein Turnschuh und tagsüber habe ich richtig viel Zeit zum Nähen, Stricken und Netflixen. (Na ja, FAST. Die zehn Stunden werden noch 2-3 mal unterbrochen, fit war ich zuletzt vor einem Jahr und Zeit zum Nähen weiß ich mittlerweile sehr zu schätzen. ;))

Warum so traurig?

Da ja immer der Eindruck vermittelt wird, Mama sein wäre DER heiße Shit und quasi das Tor zur Glückseligkeit, möchte ich an dieser Stelle mal allen sagen, denen es vielleicht eher so geht wie mir am Anfang: Alles wird gut und es dauert gar nicht so lange. Ein bisschen schneller gehts, wenn man mit jemandem über alles reden kann, der nicht müde wird, zu beteuern, was für eine tolle Mama man ist. Oder mit der Hebamme, die kennen sowas ja. Meine hat sich allerdings aus dem Staub gemacht – die Geschichte erzähle ich euch aber ein anderes Mal.

Nicht jede ist Mama aus Leidenschaft, sondern würde trotz Baby auch gern noch eine eigenständige Person bleiben (OMG, wie kann man nur?!). Wenn einem das dann vorübergehend (!!!) abgesprochen wird, dann noch eine ordentliche Ladung Hormone draufgekippt werden und man im worst case relativ schnell relativ viel alleine mit dem neuen Mitbewohner ist, kann einen das emotional schon mal an seine Grenzen bringen. Also … täglich. Mehrmals. Wegen jedem kleinen Scheiß.

Im Nachhinein würde ich sagen, ich bin einfach keine Neugeborenen-Mama. Das Baby war so unbeholfen, so EXTREM auf mich angewiesen und zerbrechlich – wie ein kleiner Regenwurm (nur hübscher). Der Mittelpunkt der Welt für jemanden zu sein, ist halt auch eine Sache, in die man hineinwachsen muss. Logo, mit seinen drei Monaten ist das Baby natürlich immer noch auf mich angewiesen. Aber im Rumalbern bin ich einfach vieeel besser als im „mit Samthandschuhen anfassen“. Und endlich verstehen wir uns! Man liest ja überall, dass man das lernt, aber in den ersten Wochen habe ich kein Wort davon geglaubt. Stimmt aber: Das Hunger-Gejaule lässt sich gut vom Windel-Voll-, Langeweile- , Müdigkeits- oder Hör-auf-mich-anzuziehen-der-Mensch-wurde-nicht-umsonst-nackig-geboren-Weinen unterscheiden.

Das Baby wächst!

Was außer mir wahrscheinlich niemanden überrascht: Das Baby ist in diesen drei Monaten gewachsen! Ich war mir sicher, dass es aus Größe 50 frühestens mit 16 rauswachsen und niemals in der Lage sein würde, sein Köpfchen zu halten. Es war SO. Verdammt. Winzig. Jetzt überlege ich, ob ich überhaupt noch was in Gr. 62 nähe oder direkt bei der nächsten weitermache …

Fast 8cm und über 2kg hat das Baby seit der Geburt zugelegt – ungefähr die Hälfte davon dürfte sich in den Pausbäckchen befinden.

„Also MEIN Baby kann schon …“

Vor „Mein Baby kann schon“-Müttern wurde ich bislang verschont. Aber euch verrate ich trotzdem, was mein Baby mit drei Monaten schon alles kann:

  • etwas festhalten, wenn ich es ihr in die Hand gebe (und mit viel Gaffa Tape umwickle)
  • den Kopf halten und sich drehen, wenn es auf dem Bauch liegt (wird konsequent verweigert, wenn es angezogen ist)
  • weltmeisterlich am Daumen lutschen (Wie soll man bei diesem Geschmatze schlafen!?)
  • andere zum Lachen bringen: Das Baby ist SO witzig! Wenn sie später nicht der Klassenclown wird, dann niemand.
  • alleine einschlafen (d.h. ich kann sie ins Bett bringen und dann noch mal rausgehen, ohne dass sie wieder wach wird und dann traurig ist)
  • im Rückbildungskurs der Trainerin Konkurrenz machen, indem sie wild mitstrampelt und unsere Moves kommentiert
  • ihrer Giraffe beim Wickeln Romane erzählen. Und wenn gerade nicht gewickelt wird, dann geht auch der Spielbogen als Gesprächspartner klar (oder die Wand oder das Sofa oder die Lampe oder …).
  • tanzen. Am liebsten mag sie die Toten Hosen und Bosse. Wenn wir ihr dann vortanzen, flippt sie aus vor Freude und macht mit.
  • gut riechen. Mein Herz krabbelt, wenn ich an ihr schnuppere. Ein bisschen wie Popcorn. Riechen alle Babys nach Popcorn?!

Kein Regenwürmchen mehr

Drei Monate und von der anfänglichen Regenwürmlichkeit ist nicht mehr viel zu sehen. Stattdessen trage ich ein fröhliches, entspanntes, (sabberndes), schlaues Baby durch die Welt. Es war definitiv eine sehr, sehr gute Idee.

Auf die nächsten drei, mein kleines Mädchen! 

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Kommentare

  1. Liebe Nora, ich lese hier unwarscheinlich gerne mit… obwohl ich aus der Babyphase schooonnnn sooooooo langeee raus bin (10 & 15). Ich könnte dir unendlich viele Tipps geben 😉 Na klar…. Genieße die Zeit & versuch die blöden nicht überzubewerten.
    Ganz liebe Grüße
    Anke

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